Zwischen Blog und Business. Ein Internet­agentur-Fuzzi kämpft um seinen Arbeits­platz als Hobby-Blogger.

Ich geb’s ja zu. Solche Artikel hier zu schreiben, macht mir schon auch ein bißchen Spaß, auch wenn ich mir die Zeit dafür immer irgendwie frei schaufeln muss. Schließlich bin ich kein Blogger oder Influencer, der damit sein Geld verdient, sondern lediglich so ein Internetagentur-Fuzzi, der seinem Unternehmen etwas gutes tun will. Was am Geschichten schreiben gut sein soll, dazu komme ich gleich. Erst noch kurz eine Frage ...

 

Sagt Ihnen der Begriff “Inbound Marketing” etwas?

Beim Inbound-Marketing handelt es sich um eine Methode, bei der Botschaften nicht wie bei klassischer Werbung an potentielle Kunden gesendet, sondern von diesen gefunden und bestenfalls gern konsumiert werden. Darum ist relevanter und attraktiver Inhalt zu einer Art digitalem Treibstoff geworden. Nach ihm trachtet heute jeder, der sich online vermarkten und sich neue Kunden erschließen will. Reine Inhalte können Bilder, Texte, Film- oder Audiodateien sein.

Doch inhaltliche Fragmente allein reichen nicht aus. Erst wenn Inhalte strategisch und zielgruppengerecht so gut und präzise zusammengestellt und aufbereitet werden, dass das Publikum sie als positiv wahrnimmt und gern mit anderen teilt, wird daraus ein einzigartiger und hochwertiger Treibstoff. Diesen können wir dann in unsere digitalen Kanäle und sozialen Medien pumpen und mit ihm Reichweite aufbauen, also neue Kunden gewinnen. Diesen Treibstoff kann man auch einfach als “Geschichten” bezeichnen. Wer also die Menschen da draußen in der überfüllten und lauten Welt des Internet noch mit irgendetwas begeistern will, der muss ihnen gute und für sie relevante Geschichten liefern.

 

Keine leichte Sache

Und genau DAS macht die ganze Angelegenheit so schwierig. Die meisten Unternehmen verfügen nämlich noch nicht einmal über eine “bloße Idee” für eine Geschichte. Auf die Tatsache, dass man jetzt für sein Marketing auf einmal Geschichten schreiben soll, ist der deutsche Mittelstand auch kaum vorbereitet. Werbetexte, Eigendarstellungen und Produktpräsentationen liegen in den Schubladen der Unternehmen zu Hauf. Aber das sind keine Geschichten, sondern Fakten. Und Fakten sind im Gegensatz zu Geschichten in der Regel emotionslos und somit in dem hier beschriebenen Zusammenhang unbrauchbar.

 

Niemand hat Lust auf Werbung!

Dass ich 2017 mit meinem “Blog vom Sonntag” angefangen habe, war auch eine Reaktion auf die häufige Rückmeldung unserer Kunden: “Wir haben einfach keine Idee, welche Geschichten wir schreiben sollen.” Die hatte ich lange Zeit auch nicht. Alles was mir einfiel, war am Ende nichts anderes als Werbung für das eigene Geschäft. Jeder Text, jeder Beitrag in den sozialen Medien lief darauf hinaus, was für eine tolle Agentur mit was für tollen Leistungen ich doch betreibe. Es konnte noch so witzig oder originell sein, unterm Strich war es doch wieder nur Werbung, auf die niemand Lust hat.

 

Was soll das Klo auf dem Titelbild?

Doch ich wollte ja mit gutem Beispiel vorangehen und unseren Kunden, größtenteils Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand, zeigen, wie das mit dem Geschichtenschreiben funktioniert. Also begab ich mich in eigener Sache auf die Suche nach dem “Content-Gold” und begann selbst, Geschichten zu schreiben. Naja, ich versuchte es. Es vergingen Monate, in denen ich Artikel um Artikel veröffentlichte und dabei selber merkte, dass ich von einer Goldader noch weit entfernt war. Zu lang, zu belehrend, zu technisch und immer noch zu werbisch, so lassen sich die Eigenschaften meiner ersten Beiträge ganz gut umschreiben. Die Folge: kaum jemand reagierte darauf, kaum jemand teilte es. Nun wissen Sie auch, warum oben auf dem Titelbild mein Laptop auf einem Klo steht. Die Wahrscheinlichkeit, dass man für selbiges produziert, ist besonders in der Anfangsphase der sogenannten Content-Creation enorm hoch.

 

Nur wer nichts macht, macht was falsch.

Die für sich optimale Content-Strategie und die dazu passenden Geschichten zu finden, kann also ein steiniger Weg sein. Der beste Rat, den ich all denen geben kann, die sich gerade auf diesen Weg machen, ist: einfach anfangen und aus der Erfahrung lernen. Das Publikum und die Statistiken, die man natürlich befragen muss, lügen nicht. Auch bei mir gleicht es immer noch einer Berg- und Talfahrt. Mal trifft man ins Schwarze, mal nicht. Der Weg ist auch hier im wahrsten Sinne das Ziel.

Im letzten Jahr habe ich dem Publizieren leider viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das Tagesgeschäft geht am Ende dann doch immer vor. Und wenn es ständig darauf hinaus läuft, sich nach Feierabend, am Wochenende oder gar im Urlaub mit Geschichten aus dem eigenen Unternehmen befassen zu müssen, fehlt es oft an Kreativität und Motivation. Heraus kommt dann meist ein großer Haufen … na Sie wissen schon.


Neues Jahr, gute Vorsätze.

Das neue Jahr läd nun ein zu guten Vorsätzen: Ich bleibe am Ball und werde 2020 meinen “Arbeitsplatz” als Hobby-Blogger sichern. Es würde mich freuen, wenn meine Beiträge für Sie relevant sind, sei es durch einen leichten Impuls, ein Stück Erkenntnis, etwas Einblick, Durchblick oder einfach nur durch ein paar Minuten des Abtauchens in eine kleine authentische Geschichte.


Herzliche Grüße, Ihr Oliver Sonntag

Oliver Sonntag / Berliner / Jahrgang '73 / seit über 20 Jahren beruflich in der Internetbranche tätig / berät deutsche Mittelstandskunden, Vereine und Institutionen im Bereich Internet und Digitalisierung / Gründer und Geschäftsführer der Agentur ANTWORT:INTERNET.



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