Website-Erfolgsanalyse: Wie echt sind Ihre Website-Besucher?

Erfolgsorientierte Website-Betreiber investieren in der Regel Aufwand und Geld in Online-Marketing, Suchmaschinenoptimierung und weitere digitale Maßnahmen, um mit ihrer Internetpräsenz wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Eine wichtige Grundlage, um dabei das Budget optimal einzusetzen, ist die kontinuierliche Website-Erfolgsanalyse. Denn nur wer die statistischen Fakten über die Leistung und Potentiale seiner Internetpräsenz detailliert verfolgt, analysiert und korrekt interpretiert, kann erkennen, welche Maßnahmen zu welchen Erfolgen geführt haben und daraufhin strategisch und taktisch kluge Entscheidungen treffen.

Leider gibt es zunehmend Gefahrenpotentiale aus dem Netz, die Website-Statistiken verfälschen und zu Misinterpretationen und Fehlentscheidungen führen können. Stellen Sie sich vor, Sie haben in die Steigerung von Besucherzahlen auf Ihrer Website investiert. Nach einer gewissen Anlaufphase scheinen sich erste Erfolge zu zeigen, denn die Besucherzahl steigt an. Daraus aber gleich den Schluss zu ziehen, die Investition habe sich gelohnt, ist riskant. Nicht immer sind statistisch erfasste Website-Besucher das, wofür man sie hält. Was für den Laien oft nicht erkennbar ist: Besucher können auch unecht sein, nichts weiter als digital erzeugte heiße Luft, Scheinbesucher, die real gar nicht existieren. Die Kunst besteht darin, die realen, wertvollen Besucher von den wertlosen Geisternutzern, sogenannten Bots, zu unterscheiden.


Durch regelmäßige Analyse Manipulationen erkennen

Bleiben derartige Manipulationen nämlich unentdeckt, führt das in der Analyse zu falschen Annahmen und man plant seine Strategie und Investitionen in die falsche Richtung. Hier zahlt es sich aus, wenn man sich regelmäßig mit seiner Website-Statistik befasst, entsprechende Berichte erstellt und jederzeit auf historische Daten zugreifen kann. Nur dann können durch Erfahrungswerte und Datenvergleiche Anomalien identifiziert, Manipulationen nachgewiesen und Statistiken ggf. bereinigt werden. Und schon hat man als Website-Betreiber wieder klare Sicht und volle Kontrolle.


Die Geister-Besucher sind unter uns!

Ich schreibe diesen Beitrag aus aktuellem Anlass, denn die Gefahr ist alles andere als abstrakt. Erst vor wenigen Wochen wurde unsere Agentur-Website Ziel einer solchen statistischen Verwerfung, indem die Besucherzahl in einem längeren Zeitraum untypisch anstieg.

Im Unterschied zu den sonst punktuell erkennbaren Spam- oder DoS-Attacken [1] verhielten sich die künstlichen Besucher in diesem Fall äußerst menschlich. Sie kamen nicht auf einen Schlag, sondern in sehr seichten, unauffälligen Wellen, wodurch die Besucherkurve verhältnismäßig moderat anstieg. Sie lösten auch nicht, wie sonst üblich, lediglich einen einzigen Zugriff aus und verschwanden sofort wieder, sondern bewegten sich völlig unverdächtig über die Website. Sie klickten mal hier, mal dort und hielten sich auf einzelnen Seiten mal länger, mal kürzer auf. Im Schnitt verbrachten diese Fake-Besucher ca. 3 Minuten auf der Website, schauten sich in dieser Zeit jeweils ca. 4 verschiedene Seiten an und stiegen an den unterschiedlichsten Stellen wieder aus der Website aus. Allein anhand dieses Verhaltens würde kaum ein Website-Analyst Verdacht auf Manipulation schöpfen und das Besucheraufkommen als natürlich gegeben zu Protokoll nehmen.


Website unter Stress

Da wir unsere Statistik seit Jahren regelmäßig beobachten und auswerten, wurden wir trotz des moderaten Besucheranstiegs hellhörig.

Wir fanden heraus, dass die künstlichen Besucher von einem Dienst erzeugt wurden, der normalerweise zur Durchführung von Website-Stresstests verwendet wird. Mit solchen Tests werden Reaktionen von Systemen auf erhöhte Beanspruchung und Belastung gemessen. Stresstests gibt es für verschiedene Anwendungsfälle, z.B. Bahnhöfe, Flughäfen oder Kernkraftwerke. Auch Banken werden in Simulationen immer wieder an ihre Grenzen gebracht. Und eben auch Websites. Das funktioniert im Prinzip so, dass man Besucherströme auf einer Internetadresse simuliert und dadurch testet, wie sich die jeweilige Website bzw. die Online-Anwendung unter bestimmten Lasten verhält. Bricht der Server ab einer bestimmten Besucherzahl zusammen? Geht die Performance in die Knie? Kommt es zu sonstigen unerwünschten Resultaten? Für solche Tests gibt es, wie in anderen Bereichen auch, Simulationssoftware, mit der man die Rahmenbedingungen und Lasten entsprechend steuern kann.

Warum ausgerechnet unsere Website von diesem unerwünschten Stresstest betroffen war, ließ sich nicht aufklären. Da die Belastung für unsere Website nicht erheblich war und auch sonst keine Gefahr bestand, ließen wir der Sache ihren Lauf und beobachteten und analysierten das ganze Treiben mit großem Interesse. Der Spuk war nach rund 2 Wochen zu Ende und das Aufkommen der Geisterbesucher ebbte nach und nach wieder vollständig ab.


Besser wird's nicht

Es ist davon auszugehen, dass Website-Betreiber zunehmend mit solchen Phänomenen konfrontiert werden, denn die Verfügbarkeit von Tools zur automatischen Generierung von Website-Traffic ist hoch, ihre Nutzung kostengünstig und die Handhabung extrem einfach. Man muss also kein IT-Experte sein, um in relativ kurzer Zeit seinen do-it-yourself-Stresstest zu basteln. Zudem ist es mit entsprechend „freizügiger“ Software möglich - wie in meinem Beispiel geschildert - den Test auch ungefragt auf fremde Adressen auszurollen. Kommt noch hinreichend kriminelle Energie dazu, wird aus einem harmlosen Stresstest schnell das Werkzeug für eine veritable DoS-Attacke [1].


Mein Fazit:

Je besser wir unsere Website-Statistik lesen und interpretieren können, desto gezielter und erfolgreicher können wir unsere Budgets für das Online-Marketing einsetzen und strategisch planen.

Als Website-Betreiber sollte man daher auf die Nachvollziehbarkeit der eigenen Statistik achten und sicherstellen, dass sie weitestgehend frei von äußeren Manipulationen ist. Man sollte sich daher bei der Analyse nicht von reinen Quantitäten leiten oder beeindrucken lassen. Wichtig: immer auch zwischen den Zeilen lesen und ermitteln, wie bestimmte Zahlen zustande gekommen sind, insbesondere von welchen Quellen die Website-Besucher stammen. Gibt es ungewöhnliche Kurvenverläufe, sollte eine logische Erklärung dafür gefunden werden. Gibt es die nicht, ist bei der Interpretation der Zahlen Vorsicht geboten. Plötzliche Anstiege von Besucherkurven sind in der Regel gut erklärbar, wenn Aktionen wie Anzeigenschaltung, Newsletterversand oder sonstige Werbeaktivitäten vorangegangen sind.


 

* DoS-Attacke (Denial of Service): Eine sogenannte Denial-of-Service-Attacke ist der Versuch eines Angreifers, die Verfügbarkeit eines Netzwerks durch Überlastung zu stören bzw. vollständig zu verhindern. Unter der Verwendung bestimmter Techniken werden in kurzer Zeit automatisiert so viele Anfragen an ein Netzwerk gesendet, bis dieses wegen Überlastung zusammenbricht. Alle Websites, die zu diesem Zeitpunkt auf Servern innerhalb dieses Netzwerks laufen, sind dann in der Regel offline, also nicht mehr erreichbar.


Herzliche Grüße, Ihr Oliver Sonntag

Oliver Sonntag / Berliner / Jahrgang '73 / seit über 20 Jahren beruflich in der Internetbranche tätig / berät deutsche Mittelstandskunden, Vereine und Institutionen im Bereich Internet und Digitalisierung / Gründer und Geschäftsführer der Agentur ANTWORT:INTERNET.



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Das eigene Unternehmen zu unterstützen, indem man Geschichten darüber im Internet publiziert, ist ein smarter Ansatz für's Inbound Marketing. Aber die Durchführung gleicht einer Berg- und Talfahrt. Und nicht selten steht man vorm Klo und denkt darüber nach, den gerade vollendeten Text doch lieber dort hinunter zu spülen, als ihn ins Netz zu stellen. Lassen Sie sich mitnehmen auf 3 Jahre Selbsterfahrungs-Trip eines Internetagentur-Fuzzis, der um seinen Arbeitsplatz als Hobby-Blogger kämpft.  

In diesen Tagen würde ich mir am liebsten ständig die Hände reiben vor lauter Ruhe und Gelassenheit. Während alle Welt mal wieder aufgeregt darüber diskutiert, wie genial, innovativ und überhaupt “absolute amazing!!!” apples Jubiläums-iPhone wohl sein mag, kann ich mich entspannt zurücklehnen. Ich bin raus.